Grenz-Echo 82. Jahrgang, Nr. 152, Seite 14, 02.07.2009

Unterstützung sollte zur Normalität werden

Foto Maha Hamoud

Maha Hamoud, »Save me«-Patin
Unterstützung sollte zur Normalität werden

Maha Hamoud kam als Dreijährige mit ihrer Familie als Flüchtling aus dem Libanon nach Deutschland. Die 21-Jährige studiert in Aachen und engagiert sich bei Amnesty international sowie als Pate bei der Kampagne »Save me - Aachen sagt Ja!«.

Sie sind selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Wie war das damals?
Ich bin 1990 mit meinen Eltern nach Deutschland gekommen. Erst wurden wir in Berlin aufgefangen und dann nach einem Jahr nach Ostfriesland geschickt. Dort lebten wir alleine auf dem Land. Ich war damals sehr klein und habe mich eigentlich recht schnell integrieren können. Das ging als Kind vor allem auch über die Sprache. Allerdings war es ein Problem, dass man sich doch häufig alleine fühlte. Meine Eltern sprachen nicht so gut Deutsch und so war beispielsweise Hilfe bei meinen Hausaufgaben einfach nicht gewährleistet. Zudem war unser Haus von meinen Schulkameraden mehrere Kilometer weit entfernt. Dazu kam die Last, als Kind meinen Eltern wegen meiner Deutschkenntnisse bei ihren Behördengängen helfen oder auch Briefe aufsetzen zu müssen.


Wie kamen Sie zu Amnesty international?
Aufgrund meines Asyl- oder Duldungsstatus hatte ich unangenehme Erfahrungen mit Ämtern. Als ich dann schließlich Fuß fassen konnte und kurz nach meinem Abitur 2007 endlich meine Aufenthaltsgenehmigung
bekam, habe ich mit der Arbeit bei Amnesty angefangen. Ich habe eben diesen Flüchtlingshintergrund und weiß daher vielleicht besser, auf welche Feinheiten man achten kann und möchte diese weitergeben.


Wie sind die Eindrücke, die Sie im Rahmen Ihres Engagements bei der »Save me«-Kampagne gemacht haben?
Es ist sicherlich eine gute Erfahrung. Vor allem meine Arabisch-Kenntnisse sind von großem Vorteil. Ab und zu ist es aber auch ein Kampf, wenn man sieht, was man selbst hatte oder nicht hatte und was alles geleistet wird. Natürlich freut man sich auch darüber, aber wünscht sich doch umso mehr, dass es auch auf die normal Asylsuchenden übertragen wird. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht ab und zu Bauchschmerzen bereitet, wenn ich weiß, dass die irakischen Flüchtlinge kurz nach ihrer Ankunft schon Krankenversicherung etc. hatten und wir haben es damals erst nach 15 Jahren bekommen. Eine solche Unterstützung sollte zur Normalität werden.

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