Internet-Plattform der Katholischen Kirche Deutschland, 15.02.2009

Netzwerk für Flüchtlinge aus dem Irak wächst

Aachen - Die politischen Beschlüsse sind gefällt, die Umsetzung läuft. In einigen Wochen werden die ersten Flüchtlinge aus dem Irak in Deutschland eintreffen. Aachen bereitet sich nach einem einstimmigen Ratsbeschluss auf die Aufgabe vor, besonders schutzbedürftigen Menschen aus der Krisenregion ein neues Zuhause zu bieten.

Mehr als 200 Menschen haben bereits erklärt, mit ihren Möglichkeiten die Neuankömmlinge in Aachen zu unterstützen. Weitere Patinnen und Paten werden gesucht. Die Initiatoren dieses wachsenden bürgerschaftlichen Netzwerkes, Amnesty International und der Katholikenrat Aachen-Stadt, informierten am Freitag über die Hintergründe.

Religiöse und ethnische Spannungen


Otmar Oehring, Menschenrechtsexperte beim Internationalen Katholischen Missionswerk missio, zeichnete vor 50 Zuhörern präzise die Fluchtursachen der Menschen nach, welche in Kürze deutschen Boden betreten werden. Sie lägen begründet in einem gefährlichen Mix von religiösen und ethnischen Spannungen, welche aus politischem Interesse heraus geschürt würden.

Es herrsche ein Szenario von Flucht, Vertreibung, Entwurzelung vor. Oehring zog Parallelen zur Stigmatisierung und Verfolgung jüdischer Mitbürger im Dritten Reich. Auch erinnere ihn die Situation im Irak an Szenen aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg, in dem Risse durch Familien, Nachbarschaften, Viertel gegangen seien mit fatalen, teils auch tödlichen Folgen.

Insgesamt seien 4,5 Millionen Iraker auf der Flucht, sagte Oehring. Etwa die Hälfte verbleibe im Land. Der Großteil der übrigen Flüchtlinge lebe unter erbärmlichen Bedingungen in den Städten der Nachbarländer, ohne Rechte, ohne Einkommen, ohne menschenwürdige Versorgung. Das wiege umso schwerer, als dass viele von ihnen traumatisiert seien, so mancher auch durch die Erfahrung von Folter.

Der lange Weg nach Deutschland

Tim Schröder von Amnesty International Deutschland machte deutlich, wie lang der Weg der Iraker sein wird, bis sie in Deutschland eintreffen. Obwohl das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) bereits ihre besondere Schutzbedürftigkeit festgestellt habe, durchlaufen sie vor Ort eine intensive Befragung und Untersuchung durch deutsche Behörden. Wenn sie dann irgendwann nach Deutschland ausgeflogen werden, landen sie zunächst in einem zentralen Lager. Dann werden sie über die Bundesländer verteilt.

Wieviele letztlich in Aachen ein neues Zuhause finden werden, weiß zurzeit noch niemand. Dennoch sei es wichtig, jetzt ein tragfähiges Netzwerk zu weben, sagte Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International in Aachen. Damit würden wohnortnahe Hilfen für die Menschen möglich, unterstrich auch Pfarrer Herbert Kaefer vom Netzwerk Asyl.

Heck-Böckler, Kaefer und ihre Mitstreiter sehen in der wachsenden Schar der Paten ein starkes gesellschaftliches Zeichen. Das unterstütze die politisch Verantwortlichen in ihrem Bemühen, humanitäre Hilfe für Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten zu mobilisieren. Bei einer einmaligen Teilnahme am Neuansiedlungsprogramm des UNHCR dürfe Deutschland nicht stehen bleiben.
© Bistum Aachen

http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=430

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