UNHCR Pressemitteilung, 17.01.2012
Flüchtlingskinder finden in Norwegen neue Heimat
Tunesien - 33 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wurden am Sonntag vom tunesischen Flüchtlingslager Shousha im Rahmen eines UNHCR-Resettlement-Programmes nach Norwegen ausgeflogen.
Resettlement bedeutet die dauerhafte Neuansiedlung besonders verletzlicher Flüchtlinge in einem zur Aufnahme bereiten Drittstaat, der ihnen kompletten Flüchtlingsschutz gewährt und eine Integrationsperspektive eröffnet.
Unter den Kindern, die letztes Jahr aus Libyen fliehen mussten, waren rund 90 unbegleitete Flüchtlinge. Einige sind ohne Eltern geflohen, andere verloren auf der Flucht ihre Eltern oder wurden von ihnen getrennt. Die meisten minderjährigen Flüchtlinge kommen ursprünglich aus Somalia, Sudan, Äthiopien und Eritrea.
Shousha beheimatet derzeit 3.400 Flüchtlinge. Die unbegleiteten Kinder unter ihnen sind vorwiegend auf die Hilfe von Freunden und Verwandten, sowie lokalen und internationalen Flüchtlingshelfern angewiesen. Mittlerweile konnten 39 von den 90 Kindern eine neue Heimat finden - die meisten davon in Norwegen, Schweden und Dänemark. Da die Kinder untereinander starke Bindungen aufgebaut haben, war die Trennung vor der Abfahrt für viele sehr schmerzhaft - besonders für jene die noch auf einen Resettlement-Platz warten müssen und in Shousha zurückgeblieben sind.
Weitere Resettlement-Plätze und schnelle Hilfe dringend nötig
Das Leben in Shousha ist aufgrund der Witterungen sehr schwierig - Kälte und starke Stürme erschweren die Lebensbedingungen der Flüchtlunge.
UNHCR und seine Partner hoffen daher, dass es sehr bald eine Lösung für die vielen unbegleiteten Minderjährigen sowie für die erwachsenen Flüchtlinge geben wird.
UNHCR ist der Auffassung, dass Resettlement die einzig praktikable und nachhaltige Lösung für die zahlreichen anerkannten Flüchtlinge ist, die vergangenes Jahr von Libyen nach Tunesien und Ägypten fliehen mussten.
Beide Länder haben vergangenes Jahr hunderttausende Migranten aufgenommen, bevor sie gemeinsam mit der Organisation für Internationale Migration (IOM) in ihre Heimat gebracht werden konnten. UNHCR hat gemeinsam mit dem IOM vor allem die europäischen Staaten dazu aufgerufen, mehr Resettlement-Plätze für die verbleibenden Flüchtlinge an der tunesischen und ägyptischen Grenze zur Verfügung zu stellen.
UNHCR hat mittlerweile die Asylverfahren für alle 2.500 Asylsuchenden im Shousha-Flüchtlingscamp abgeschlossen, davon wurden 2.200 als Flüchtlinge anerkannt. Zusammen mit den zusätzlichen 800 Personen, die vor den Unruhen letztes Jahr in Libyen anerkannt wurden, benötigen mehr als 3.000 Flüchtlinge Resettlement-Plätze. Zusätzlich zu den Flüchtlingen in Tunesien sind an der Grenze zu Ägypten in Saloum noch 1.400 Flüchtlinge, die dringend auf Resettlement warten.
Australien, Belgien, Kanada, Dänemark, Finnland, Irland, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden und die Vereinigten Staaten haben bereits Resettlement-Plätze zugesagt; auch Deutschland, Neuseeland und Spanien haben vor kurzem die Aufnahme von Flüchtlingen durch Resettlement beschlossen. Trotzdem wird momentan nur ein Flüchtling von fünf vorgeschlagenen Personen in ein Resettlement-Programm aufgenommen und insgesamt konnten bisher nur 731 Flüchtlinge tatsächlich in ihr Resettlement-Land abreisen.



